Leben innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen der Erde
Am Montag, den 02.11.2026, fand in Kooperation mit der Ortsgruppe Hamm-Werries e.V. und mit den Fachbereichen Textil und Holz der Werkstatt Unna ein Projekttag zum Thema „Planetare Grenzen und Nachhaltigkeit im Alltag“ statt.
Zum Einstieg spielten wir eine Runde Bingo. Dabei sollten wir unserem Gegenüber verschiedene Fragen stellen, zum Beispiel: „Lässt du beim Zähneputzen das Wasser laufen?“, „Hast du dieses Jahr schon einmal an einem Kleidertausch teilgenommen?“, „Hast du in der Öffentlichkeit schon einmal eine fremde Person gegenüber anderen verbal verteidigt?“ oder „Trinkst du zu Hause ausschließlich Leitungswasser?“ Wer fünf Felder in einer Reihe – horizontal, vertikal oder diagonal – ausgefüllt hatte, rief laut „Bingo!“. Bei diesem Kennenlernspiel stellte sich heraus, dass viele der Teilnehmenden bereits ein gutes Bewusstsein für Nachhaltigkeit im Alltag mitbringen.
Ein Blick auf unser Erdsystem und die planetaren Grenzen
Anschließend stiegen wir in die Erdsystem- und Klimawissenschaft ein.
Unser Erdsystem besteht aus verschiedenen natürlichen und vom Menschen geprägten Sphären, zu denen beispielsweise die Atmosphäre, die Biosphäre, die Hydrosphäre, die Lithosphäre sowie die vom Menschen beeinflussten Bereiche (Anthroposphäre und Agrosphäre) gehören. Heute beeinflusst der Mensch nahezu alle Bereiche der Erde.
Im Erdzeitalter des Holozäns, einer Warmzeit, die vor ungefähr 11.700 Jahren begann, herrschte über lange Zeit ein relativ stabiler Zustand des Klimas und des Erdsystems (Stability Domain). Unter diesen vergleichsweise stabilen Bedingungen konnten sich menschliche Gesellschaften gut entwickeln. Seit einigen Jahrzehnten wird deshalb auch vom Anthropozän, dem Zeitalter des Menschen, gesprochen.
Anhand verschiedener Beispiele wurde im Vortrag die sogenannte „Große Beschleunigung“ (Great Acceleration) seit etwa 1950 verdeutlicht. Sie beschreibt den rasanten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel infolge der Technologisierung und Industrialisierung sowie der Intensivierung der Landwirtschaft. Die Weltbevölkerung wuchs, der Ressourcenverbrauch nahm zu und der Mensch griff immer stärker in die natürlichen Prozesse der Erde ein. Die Natur kann sich von diesen Eingriffen häufig nicht schnell genug erholen.
Der Klima- und Erdsystemforscher Prof. Dr. Johan Rockström stellte sich gemeinsam mit anderen Wissenschaftler*innen die Frage: „Innerhalb welcher Grenzen können wir sicher auf der Erde leben?“ Gemeinsam mit seinem Forschungsteam veröffentlichte er 2009 das Konzept der planetaren Grenzen.
Dieses Konzept beschreibt neun zentrale Erdsystemprozesse:
- Klimawandel
- Integrität der Biosphäre (genetische Vielfalt und Ökosystemfunktionen)
- Ozeanversauerung
- Landnutzungsänderungen
- Eingriffe in die Nährstoffkreisläufe von Phosphor und Stickstoff
- Eintrag neuartiger Substanzen (chemische Verschmutzung)
- Veränderungen des Süßwassersystems (blaues und grünes Wasser)
- Abbau der Ozonschicht
- Luftverschmutzung (atmosphärische Aerosolbelastung)
Die planetaren Belastungsgrenzen zeigen uns, in welchem Rahmen menschliche Aktivitäten stattfinden können, ohne die natürlichen Prozesse der Erde und deren Stabilität zu gefährden. Sie sollen dazu beitragen, dass unser Planet möglichst in einem stabilen Zustand bleibt, wie er über viele Jahrtausende des Holozäns bestand.
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veröffentlicht jährlich den Zustandsbericht „Planetary Health Check“. Darin wird untersucht, inwieweit die neun planetaren Grenzen eingehalten oder bereits überschritten werden.
Im Jahr 2025 wurde erstmals auch die planetare Belastungsgrenze der Ozeanversauerung als überschritten eingestuft. Damit gelten inzwischen sieben der neun planetaren Grenzen als überschritten.
Es gibt aber auch gute Nachrichten: Bei zwei planetaren Grenzen – dem Ozonabbau und der atmosphärischen Aerosolbelastung – hat sich die Situation wieder etwas verbessert. Das zeigt uns: Wir können noch etwas verändern und dazu beitragen, dass sich unser Planet erholt.
Nachhaltigkeit geht nicht ohne Politik ...
... aber auch nicht ohne uns Menschen lokal vor Ort!
Die wichtigste Antwort auf die Frage, wie wir die Belastung unseres Planeten reduzieren können, lautet: Nachhaltigkeit.
Doch wie können wir unseren Alltag nachhaltiger und ressourcenschonender gestalten, und damit einen Beitrag zum Schutz unseres Planeten leisten?
Mit dieser Frage beschäftigten wir uns nach dem gemeinsamen Mittagessen in einer Gruppenarbeit. Zusammen überlegten wir, welche nachhaltigen Handlungsweisen sich im Alltag umsetzen lassen.
Dabei konzentrierten wir uns auf drei Themenbereiche:
- Konsum und Ernährung
- Energie und Rohstoffe
- Soziale Gerechtigkeit
Zunächst stand die Frage im Mittelpunkt, was jede und jeder Einzelne ganz persönlich im Alltag verändern und umsetzen kann.
Im zweiten Schritt richteten wir den Blick auf die Gemeinschaft: Was können wir gemeinsam – als Kollektiv und als Gesellschaft – für mehr Nachhaltigkeit im Alltag tun?
Abschließend überlegten wir, welche Veränderungen sich durch diese Maßnahmen ergeben könnten.
Was nehme ich persönlich mit?
Zum Abschluss des Projekttages gab es eine persönliche Reflexionsrunde. Dabei stand eine Frage im Mittelpunkt: „Was nehme ich ganz persönlich von diesem Projekttag mit?“
Projektreferentin Adriana vom Landesverband der NaturFreunde NRW und die NaturFreunde Ortsgruppe Hamm-Werries bedanken sich herzlich bei allen Teilnehmenden für ihr großes Interesse und die rege Beteiligung.
Durch das engagierte Mitmachen und die vielen guten Diskussionsbeiträge konnten wir zahlreiche spannende Themen beleuchten und ihnen (wieder) mehr Sichtbarkeit geben. Wir hoffen, dass der Projekttag den einen oder anderen Denkanstoß gegeben hat und dazu ermutigt, Nachhaltigkeit im eigenen Alltag noch bewusster zu leben.


