Der November steht mittlerweile häufig im Zeichen der so genannten Black Week. Was ursprünglich als eintägiges Shopping-Event aus den USA kam, hat sich auch in Deutschland etabliert und ist vielerorts zu mehreren Aktionswochen angewachsen. Mit vermeintlichen Schnäppchen und hohen Rabatten werden Menschen zum Konsum gelockt. Für den Einzelhandel gehören die Tage rund um den Black Friday inzwischen zu den umsatzstärksten des Jahres.
Und günstigen Angeboten zu widerstehen ist gar nicht mal so leicht. Gerade bei steigenden Lebenshaltungskosten kann es sinnvoll sein, eine ohnehin notwendige Anschaffung auf den Black Friday zu verschieben. Doch zwischen gezieltem Einkauf und zusätzlichem Konsum liegt wiederum ein großer Unterschied.
Außerdem sind die beworbenen Rabatte längst nicht immer so attraktiv, wie sie scheinen. Untersuchungen zeigen, dass viele Produkte rund um den Black Friday im Durchschnitt nur etwa fünf bis sieben Prozent günstiger waren als im Monat zuvor. Bei einem Viertel der untersuchten Produkte gab es sogar überhaupt keine Ersparnis. Teilweise werden Preise zuvor angehoben, um anschließend mit vermeintlich großzügigen Rabatten zu werben.
Auch die ökologischen und sozialen Folgen des Konsumbooms sollten wir uns noch mal vergegenwärtigen: Lange Transportwege und eine Flut an Retouren belasten Umwelt und Ressourcen. Ein Teil der zurückgeschickten Waren wird nicht einmal wieder verkauft, sondern vernichtet.
Dabei wäre es zu einfach, die Verantwortung allein bei den Konsument*innen abzuladen. Die großen Hebel liegen vor allem bei Unternehmen, die mit immer neuen Kaufanreizen ein Wirtschaftssystem befeuern, das auf stetig wachsenden Konsum setzt. Trotzdem können wir hinterfragen, welche Kaufentscheidungen wir unterstützen und welche Alternativen es gibt.
Gerade mit Blick auf Weihnachten lohnt sich ein Perspektivwechsel: Muss es immer etwas Neues sein und muss ein Geschenk überhaupt ein Gegenstand sein? Vielleicht ist gemeinsame Zeit mit einer selbst organisierte Unternehmung viel wertvoller als das nächste gekaufte Produkt. Auch kleine, lokale Projekte und nachhaltige Initiativen freuen sich über Unterstützung.
Wer dennoch etwas Neues sucht, muss nicht zwangsläufig neu Produziertes kaufen. In vielen Städten gibt es Kleidertauschpartys, Repair-Cafés, Tauschregale und andere Möglichkeiten, Dinge weiterzugeben, zu reparieren oder gemeinsam zu nutzen. Auch viele unserer NaturFreunde-Ortsgruppen engagieren sich bereits in diesem Bereich. Mit ihren Angeboten schaffen sie konkrete Alternativen zur Wegwerfgesellschaft und setzen der konsumorientierten, kapitalistischen Logik gemeinschaftliches Handel und Solidarität entgegen.
Es geht nicht darum, grundsätzlich auf Konsum oder kleine Freuden zu verzichten. Vielmehr sollten wir uns fragen, was wir wirklich brauchen und welche Formen des Schenkens und Konsumierens langfristig mehr Freude schaffen.
