Der 8. Mai markiert das Ende der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und gilt als Tag der Befreiung vom Faschismus. Doch auch wenn das Regime besiegt wurde, hat das Gedankengut weitergelebt. 81 Jahre später stellt sich erneut die Frage: Wie befreit sind wir wirklich?
Die AFD baut ihren Einfluss weiter aus, während rechte Parolen längst in Teilen des gesellschaftlichen Mainstreams angekommen sind. Zunehmend greifen auch etablierte Politiker*innen solche Narrative auf, um gezielt am rechten Rand nach Wähler*innenstimmen zu fischen. Gleichzeitig steigen antisemitische Angriffe in Deutschland drastisch an. Jede diskriminierende Aussage und Tat trägt zu einem Klima bei, in dem Ausgrenzung und Hass normalisiert werden.
Parallel verschärft sich die sicherheitspolitische Debatte: Aufrüstung wird angesichts globaler Konflikte wieder als notwendig angesehen und auch die Wiedereinführung der Wehrpflicht wird diskutiert. Der Krieg in der Ukraine dauert weiter an und weltweit wird ein Höchststand an bewaffneten Konflikten seit dem Ende des zweiten Weltkriegs vermerkt. Zwar setzt die Bundeswehr zunächst auf eine scheinbare Freiwilligkeit, macht jedoch deutlich, dass bei zu wenigen Bewerber*innen eine Wehrpflicht wieder eingeführt werden könnte. Gerade unter jungen Menschen wächst der Widerstand, aus Sorge vor Zwangsdienst und aus einem zunehmenden Gefühl von Unsicherheit.
Diese Unsicherheit wird auch durch politische Erzählungen geprägt, die gezielt Ängste schüren und Feindbilder aufbauen. Jeder Krieg beginnt mit vereinfachten und einseitigen Darstellungen. Wenn Politiker*innen gezielt einzelnen Gruppen die Schuld an gesellschaftlichen Problemen zuschieben, ist das nicht nur eine Lüge, sondern auch eine bewusste Strategie. Wer lügt, lenkt von sich selbst ab. Wer lügt, erzählt eine Geschichte, die als Realität akzeptiert werden soll, obwohl sie es nicht ist. So wird versucht, Gesellschaft nach eigenem Interesse zu formen, statt sich der Wirklichkeit zu stellen.
Die Realität anzuerkennen und zu verändern ist anstrengend, doch genau darin liegt politische Verantwortung.
„Zu sagen, was ist, bleibt die revolutionärste Tat“ (Rosa Luxemburg). Es sind diejenigen, die hinschauen, Widerspruch aushalten und Missstände benennen, die Veränderung möglich machen.
Solange Macht genutzt wird, um zu täuschen, anstatt aufzuklären, bleiben die Gefahren bestehen: Lügen können den Boden bereiten für Ausgrenzung, Gewalt und letztlich auch Krieg.
Sind es also die jungen Menschen, die belogen werden, um für Land und Lügen zu sterben? Oder belügen wir uns als Gesellschaft selbst, wenn wir glauben, die Gewalt von vor über 80 Jahren hinter uns gelassen zu haben? Täuschen wir uns darüber hinweg, dass ähnliche Rhetorik wie vor 90 Jahren erneut Ängste schürt und globale Aufrüstung provoziert?
Den Kriegsdienst zu verweigern ist ein Grundrecht. Und Krieg bleibt Unrecht. „Nie wieder!“ ist keine Erinnerung, sondern eine Verpflichtung und Frieden kein ferner Traum, sondern eine Aufgabe, die wir weiterverfolgen müssen!
