Düsseldorf, 20.09.2026.
DDT, PFAS, Quecksilber, ... wir steigen ein in die Welt der Chemikalien. Eigentlich macht der World Cleanup Day jedes Jahr die Vermüllung unseres Planeten sichtbar. Menschen auf der ganzen Welt sammeln an diesem Aktionstag Müll und entfernen Plastik aus Flüssen, Wäldern und Gewässern.
Doch wir wollen heute auf die “unsichtbare” Verschmutzung unseres Planeten aufmerksam machen. Denn viele Schadstoffe sind mit bloßem Auge gar nicht in der Umwelt erkennbar, können sich aber über Jahre oder Jahrzehnte in der Luft, im Wasser und im Boden anreichern.
Im Alltag, in der Landwirtschaft und Industrie werden immer mehr menschengemachte Chemikalien eingesetzt, die früher oder später in die Umwelt gelangen.
Heute gibt es weltweit über 350.000 verschiedene künstlich hergestellte Chemikalien auf den Märkten.
Dazu gehören beispielsweise: Kunststoffe, Pflanzenschutzmittel, PFAS, Kosmetikprodukte, Arzneimittel & Hormonpräparate
Scheringer & Schulz (2025) haben im Annual Review of Environment and Resources den aktuellen Zustand der globalen chemischen Verschmutzung untersucht und unterscheiden zwischen zwei Kategorien an Chemikalien: absichtlich auf die Biologie wirkende und nicht absichtlich wirkende Chemikalien.
Chemikalien, die absichtlich stark wirken
Viele Chemikalien werden bewusst so entwickelt, dass sie eine starke biologische Wirkung haben. Dazu gehören z.B. Pflanzenschutzmittel und Desinfektions-mittel. Sie sollen gezielt Organismen oder bestimmte biologische Prozesse beeinflussen. Oder auch unerwünschte Organismen gezielt abtöten. Werden solche Stoffe eingesetzt, gelangen sie häufig auch in die Umwelt.
Andere Chemikalien sollen im menschlichen oder tierischen Körper eine bestimmte Wirkung erzielen, wie z.B. Medikamente, Hormonpräparate oder bestimmte Wirkstoffe in Kosmetikprodukten. Solche Stoffe können z.B. über behandeltes Abwasser oder aus der Tierhaltung in die Umwelt gelangen. Dort können sie mit biologischen Systemen von Menschen, Tieren und anderen Organismen wechselwirken. Nicht jeder dieser Stoffe ist automatisch gefährlich. Entscheidend sind Eigenschaften, Menge, Konzentration und Dauer der Umweltbelastung.
Chemikalien, die nicht absichtlich wirken sollen
Industriechemikalien werden für technische Zwecke entwickelt. Sie machen Materialien z.B. wasser- oder schmutzabweisend, feuerfest, isolierend, kühlend, verändern die Eigenschaften von Kunststoffen oder sollen bei der Reinigung helfen. Trotzdem können manche dieser Stoffe auf Lebewesen einwirken, besonders wenn sie langlebig sind oder sich in Böden und Gewässern anreichern. Diese Stoffe werden als “industrielle Altlasten” bezeichnet, die von Wasser- und Bodenschutzbehörden untersucht und überwacht werden.
Zu viele Chemikalien - zu hohe Risiken
Die große Zahl künstlich hergestellter Stoffe stellt die Gesellschaft vor eine schwierige Aufgabe. Viele Chemikalien sind kaum untersucht. Es fehlen umfassende Informationen über ihre Umweltwirkungen und mögliche Langzeitfolgen.
Außerdem kann das Regulierungssystem, wie hier in Europa z.B. die REACH-Verordnung, mit der Entwicklung und Verwendung neuartiger Stoffe nur schwer Schritt halten. Problematisch ist auch die “regrettable substitution”, also der Ersatz eines gefährlichen oder verbotenen Stoffes durch eine ähnliche Chemikalie mit möglicherweise vergleichbaren Risiken. Ein Beispiel ist der Ersatz von FCKW durch HFKW. HFKW schädigen zwar die Ozonschicht kaum, können aber eine sehr starke Treibhauswirkung haben.
Im Planetary Health Check 2025 des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung wird die planetare Grenze für „Novel Entities“ – also neuartige Stoffe, Genmodifikationen und andere vom Menschen in die Umwelt eingebrachte Substanzen – als überschritten bewertet.
Klar ist: Ökosysteme können geschädigt, Arten beeinflusst und langfristig wichtige Funktionen der Natur verändert werden.
Können wir was gegen chemische Verschmutzung tun?
Wir können zwar nicht im großen Stil verhindern, dass Chemikalien in die Natur gelangen, aber wir können unseren eigenen Beitrag verringern, indem wir bewusster konsumieren, Produkte länger nutzen, unnötige Chemikalien vermeiden und Abfälle wie Medikamente, Farben oder Batterien richtig entsorgen.
Genau hier setzt unser Umweltprojekt an. Wir wollen Menschen motivieren, im Alltag nachhaltiger zu handeln und etwas gegen die chemische Verschmutzung zu tun. Komm zur nächsten Tauschbar am 5.11. 2026 ins Naturfreundehaus Fritz Bohne in Gelsenkirchen! Statt neue Kleidung zu kaufen, tauschen wir und verringern dadurch die Umweltbelastungen durch die Fast-Fashion-Industrie.
Neugierig aufs Projekt? Hier gibt es weitere Infos:
www.naturfreunde-nrw.de/wissenwirkenwandeln
