27.08.2026 - Welttag der Seen.
Seen wie beispielsweise der Halterner Stausee hier in NRW liefern Trinkwasser, bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, dienen als Erholungsräume für uns Menschen und sind wichtige Bestandteile unserer Ökosysteme.
Doch viele Seen stehen zunehmend unter Druck. Neben Wasserentnahme, intensiver Freizeitnutzung und Klimawandel ist vor allem die Verschmutzung durch Nährstoffeinträge ein großes Problem. Wichtige Nährstoffe für Pflanzen und alle Lebewesen sind Stickstoff und Phosphor. In der Landwirtschaft werden sie großflächig als Dünger auf die Felder ausgebracht, damit Pflanzen schneller wachsen und mehr Lebensmittel produziert werden können. Der Mensch verändert dadurch jedoch die natürlichen Nährstoffkreisläufe. Vor allem durch zu intensive Düngung, Bodenerosion und Nährstoffverluste aus der Tierhaltung (Gülle, Jauche, Silagesickersaft, ...) gelangen Stickstoff und Phosphor über Böden, Bäche und Flüsse in Seen.
Wenn zu viele dieser Nährstoffe in einen See gespült werden, wird der Prozess der sogenannten „Eutrophierung“ ausgelöst. Eutroph (altgriechisch) bedeutet soviel wie “gut ernährt”. Die zusätzlichen Nährstoffe im Gewässer sorgen dafür, dass sich Algen stark vermehren. Das Wasser wird trüb und große Algenteppiche können die Oberfläche bedecken. Wenn die Algen absterben, werden sie von Bakterien abgebaut. Dabei wird viel Sauerstoff verbraucht. Der Sauer-stoffgehalt des Wassers sinkt. Fische und andere Wasserlebewesen haben zunehmend schlechtere Lebensbedingungen. Unter ungünstigen Bedingungen können sauerstoffarme Bereiche, sogenannte „Todeszonen“, entstehen, in denen kaum noch Leben möglich ist.
Der Planetary Health Check (2025) des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt, dass die planetaren Belastungsgrenzen für die Stickstoff- und Phosphorkreisläufe bereits deutlich überschritten sind. Beide Nährstoffkreisläufe befinden sich im Hochrisikobereich (rot bis dunkellila). Die Überlastung dieser Kreisläufe gefährdet Ökosysteme an Land und in Gewässern – und damit auch die Gesundheit unserer Seen.
Der Klimawandel kann die Situation zusätzlich verschärfen. Steigende Wassertemperaturen, häufigere Hitze- und Trockenperioden sowie sinkende Wasserstände setzen Seen unter zusätzlichen Stress. Das Zusammenspiel ist besonders problematisch: Ein warmer und wasserarmer See kann empfindlicher auf Nährstoffeinträge reagieren.
Doch wie lassen sich diese Nährstoffeinträge vermindern oder vermeiden? Und was können wir im Alltag tun, um unsere Seen zu schützen?
Auch wenn die Ursachen komplex und größtenteils strukturell sind, können wir mit unseren alltäglichen Entscheidungen einen Beitrag zum Schutz unserer Gewässer leisten.
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist unser Konsumverhalten. Beim Lebensmitteleinkauf können wir nachhaltige Landwirtschaft unterstützen – etwa durch Bio-Produkte oder den direkten Einkauf bei Landwirt*innen, die auf regenerative Anbaumethoden oder Agroforstwirtschaft setzen. Gesunde Böden können mehr Wasser speichern, sind widerstandsfähiger gegenüber Hitze und benötigen weniger zusätzliche Düngung.
Eine stärker pflanzenbasierte oder vegane Ernährung kann dazu beitragen, den Anbau von Futtermitteln und damit den Flächen- und Düngerbedarf zu verringern. Weniger Tierhaltung bedeutet zudem weniger Gülle, die als Nährstoffquelle in die Umwelt gelangen kann.
Angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit wird auch ein bewussterer Umgang mit Wasser wichtiger. Wasser zu sparen und unnötigen Verbrauch zu vermeiden, hilft dabei, die Wasserressourcen zu schonen. Denn eine zu hohe Wasserentnahme kann nicht nur die Verfügbarkeit von Trink- und Brauchwasser beeinträchtigen, sondern auch die Ökosysteme von Seen zusätzlich unter Druck setzen.
Auch beim Besuch am See können wir etwas bewirken: Müll wieder mitzunehmen und Zigarettenkippen, Waschmittel oder andere Schadstoffe nicht ins Wasser gelangen zu lassen, trägt zum Schutz des Gewässers bei. Auch Urin hat im See nichts verloren: Er enthält Stickstoff und Phosphor und kann die Nährstoffbelastung erhöhen. Das kann insbesondere empfindliche Gewässer zusätzlich belasten und Wasserlebewesen gefährden. Wer beim Baden, Angeln oder Wassersport Rücksicht auf Uferbereiche und Tiere nimmt, schützt den Lebensraum zusätzlich.
Du hast Lust dich intensiver mit alltäglichem Umweltschutz zu beschäftigen und eine Nachhaltigkeitsaktion bei dir vor Ort umzusetzen?
Dann werde mit deiner NaturFreunde Ortsgruppe Teil unseres Projektes “Wissen.Wirken.Wandeln.” oder sprich unsere Projektreferentin Adriana direkt an.
Mehr Infos:
www.naturfreunde-nrw.de/wissenwirkenwandeln
