Am 22. Mai, dem Tag der Artenvielfalt, rückt ein Thema in den Fokus, das oft abstrakt wirkt, aber konkrete Folgen hat: das weltweite Artensterben. Ein besonders anschauliches Beispiel dafür ist der Europäische Feldhamster.
Der Europäische Feldhamster (Cricetus cricetus) ist in Deutschland stark vom Aussterben bedroht. Laut Forscher*innen könnte die Art bis 2038 vollständig ausgestorben sein. Einst war er ein typischer Bewohner landwirtschaftlicher Flächen, heute ist er vielerorts verschwunden.
Der Feldhamster lebt am Boden und gräbt seine Wohnkammern und unterirdischen Gänge bevorzugt in Löss- oder Lehmböden. Dort legt er auch seine Vorräte für den Winter an. Diese Lebensweise macht ihn besonders anfällig für Veränderungen in der Landwirtschaft.
Heute hat es der Feldhamster sehr schwer. Moderne landwirtschaftliche Praktiken setzen ihm massiv zu. Große Maschinen zerstören seine Baue, während Dünger und Pestizide die Vielfalt an Pflanzen und Insekten reduzieren. Monokulturen verdrängen Wildkräuter, die ihm als Nahrung dienen. Gleichzeitig werden Lebensräume durch Straßen und Bebauung zerschnitten. Auch Lichtverschmutzung und steigende Oberflächentemperaturen verschlechtern seine Lebensbedingungen zusätzlich.
Die Folgen sind deutlich: Der Feldhamster findet immer weniger Nahrung, geeignete Böden werden rar, und es wird zunehmend schwieriger, eine*n Partner*in zu finden. Zudem sinkt seine Lebenserwartung. Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie stark menschliches Handeln die Biosphäre verändert und wie Tiere dadurch ihren Lebensraum verlieren.
Doch der Feldhamster ist kein Einzelfall. Sein Schicksal steht stellvertretend für eine umfassendere Entwicklung: den Verlust der Artenvielfalt und die Schwächung ganzer Ökosysteme.
Ökosysteme sind die Grundlage unseres Lebens. Doch der Zustand dieser Systeme ist zunehmend kritisch. Der aktuelle Planetare Gesundheitscheck 2025 zeigt, dass viele Ökosysteme bereits stark geschädigt sind. Wenn diese Entwicklung anhält, gefährden wir direkt unsere eigene Lebensgrundlage.
Das Artensterben verschärft diese Krise zusätzlich, denn Arten sind entscheidend für die Funktionsfähigkeit der Natur. Einige tragen z.B. zur Speicherung von CO₂ bei und sorgen für sauberes Wasser, andere sichern die Bestäubung von Nutzpflanzen und liefern Nahrung.
Doch derzeit sterben Arten etwa zehnmal schneller aus als unter natürlichen Bedingungen. Über eine Million Arten gelten als bedroht. Viele Wissenschaftler*innen sprechen deshalb vom sechsten Massenaussterben der Erdgeschichte. Mit jeder verlorenen Art wird das Erdsystem instabiler und anfälliger für Störungen.
Die fortschreitende Abnahme der Artenvielfalt hat weitreichende Folgen. Die Biosphäre verliert an Widerstandskraft und ihre Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen. Gleichzeitig wird es für sie immer schwieriger, andere Umweltprobleme auszugleichen.
Besonders problematisch ist, dass wir oft nicht genau wissen, welche Arten eine Schlüsselrolle spielen. Wenn solche Schlüsselarten verschwinden, können ganze Ökosysteme zusammenbrechen.
Bereits heute befindet sich der Verlust der Artenvielfalt im orangen bis dunkelroten Risikobereich. Damit ist eine zentrale planetare Belastungsgrenze überschritten. Das Artenaussterben bringt uns in eine Zone hoher Unsicherheit – mit potenziell gravierenden Folgen für die Stabilität unseres Planeten.
Der Feldhamster macht diese abstrakte Entwicklung greifbar. Sein drohendes Verschwinden ist ein Warnsignal. Es zeigt, dass der Verlust der Artenvielfalt kein fernes Problem ist, sondern bereits heute stattfindet – und dass dringender Handlungsbedarf besteht.
Die NaturFreunde NRW setzen sich seit jeher für Natur- und Umweltschutz ein. In zahlreichen Projekten wie “WasserWege”, “ProInsekt”, “LebensRäume” oder “NahTour” setzten wir uns in den letzten Jahren für den Erhalt einer sozial-gerechten, lebensfreundlichen Umwelt ein. Auch mit den neuen Projekten Wissen.Teilen.Gestalten. (Naturschutz) und Wissen.Wirken.Wandeln. (Umweltschutz) wollen wir wieder aktiv Naturschutz und Umweltbildungsarbeit hier in NRW leisten, um eine gute Zukunft im Einklang mit der Natur zu gestalten.
