Korallenriffe gehören zu den wichtigsten Meeres-Ökosystemen unseres Planeten. Sie bieten unzähligen Arten einen geschützten Lebensraum und schützen zugleich Küsten vor starken Wellen.
Doch steigende Meerestemperaturen und die Ozeanversauerung setzen ihnen massiv zu. Immer häufiger kommt es zur Korallenbleiche: Die bunten Riffe verlieren ihre Farbe und sterben ab – zurück bleiben weiße Kalkskelette.
Doch wie funktioniert Ozeanversauerung genau?
Die Ozeane nehmen weltweit etwa ein Viertel des vom Menschen emittierten Kohlenstoffdioxids (CO₂) auf. Das bremst zwar die Erderwärmung, verändert jedoch die Chemie des Meerwassers.
Mehr CO₂ diffundiert aus der Atmosphäre ins Meerwasser und bildet dort Kohlensäure. Diese zerfällt in Hydrogencarbonat und Wasserstoffionen (Kationen).
Die zusätzlichen Wasserstoffionen machen das Meer saurer, das heißt der pH-Wert sinkt. Seit der vorindustriellen Zeit (vor ca. 170 Jahren) ist der pH-Wert des Oberflächenwassers der Ozeane um etwa 0,1 gesunken. Das klingt wenig, ist aber sehr viel. Diese Veränderung passiert heute mindestens 100-mal schneller als in den letzten 20 Millionen Jahren. Viele Meereslebewesen können sich an diese rasche Entwicklung kaum anpassen.
Gleichzeitig reagiert Hydrogencarbonat mit freien Karbonat-Ionen im Meerwasser. Diese werden jedoch für die Bildung von Kalziumkarbonat benötigt – einem entscheidenden Baustoff für Schalen und Skelette. Durch die geringere Verfügbarkeit dieser Karbonat-Ionen können viele Meereslebewesen ihre Kalkstrukturen schlechter aufbauen. Besonders betroffen sind Korallen, Muscheln, Seeigel und Seesterne, Krebse sowie kalkbildendes Phytoplankton. Ihre Schalen werden dünner, wachsen langsamer oder lösen sich im Extremfall sogar auf. Ganze Ökosysteme geraten dadurch aus dem Gleichgewicht.
Korallenriffe als zentrale Lebensräume sind besonders gefährdet – ebenso wie Ökosysteme in kalten Meeren. Dort schreitet die Ozeanversauerung besonders schnell voran, da kaltes Wasser mehr CO₂ aufnehmen kann. Für die dort lebenden, hoch spezialisierten Organismen stellt diese rasche Veränderung eine enorme Herausforderung dar. An den sinkenden pH-Wert können sie sich nicht schnell genug anpassen.
Laut dem aktuellen Planetaren Gesundheitscheck 2025 wurde die planetare Belastungsgrenze der Ozeanversauerung im Jahr 2025 erstmals überschritten. Das bedeutet, dass sich die Menschheit außerhalb des sicheren Handlungsspielraums bewegt und in einen Unsicherheitsbereich eintritt, in dem erste gravierende Veränderungen – wie etwa Artensterben – sehr wahrscheinlich werden.
Wenn die verschiedenen Arten von Meereslebewesen verschwinden, kann das gesamte Meeresökosystem destabilisiert werden. Die Folgen sind weniger Schutz- und Lebensräume durch das Korallensterben, instabile Nahrungsketten, rückläufige Fischpopulationen und letztlich knapper werdende Meeresressourcen für den Menschen.
Die Ozeanversauerung ist somit ein schleichender Prozess mit potenziell unumkehrbaren Folgen – und zugleich Teil eines global vernetzten Systems. Sie steht in engem Zusammenhang mit anderen Umweltproblemen.
Beispielsweise führt Entwaldung dazu, dass weniger CO₂ gespeichert wird. Dadurch gelangt mehr CO₂ in die Atmosphäre – und letztlich auch in die Ozeane.
Die planetaren Grenzen sind eng miteinander verknüpft: Wird eine überschritten, kann das andere Erdsystemprozesse destabilisieren.
Deshalb braucht es mehr Klimaschutz zur Reduktion von CO₂-Emissionen, ein nachhaltigeres Landnutzungsmanagement, weniger Umweltverschmutzung – etwa durch Plastik oder intensive Schifffahrt – sowie einen verantwortungsvolleren Umgang mit Meeresressourcen, beispielsweise durch nachhaltigen Fischfang.
Nur wenn wir innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen bleiben, können wir die Vielfalt und Stabilität unseres Planeten langfristig sichern.
Du willst mehr über die planetaren Belastungsgrenzen unserer Erde erfahren? Dann engagiere dich mit deiner Ortsgruppe im aktuellen Umweltbildungsprojekt “Wissen.Wirken.Wandeln.” (gefördert durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW).
